Wanderung von Bernau nach Blankenfelde

Während des letzten Jahres verbrachte ich einen großen Teil meiner Zeit sitzend vor einem Bildschirm. Das geht ohne Ausgleich natürlich nicht ohne Spuren am Körper vorüber: verkümmerte Sehnen, fetter Leib, trübe Augen, Mausarm, verspannte Schultern, steifer Nacken und von der Psyche ganz zu schweigen. So konnte es nicht weitergehen!

Daher fasste ich den Entschluss, einfach mal wandern zu gehen. In den letzten Jahren war ich sehr gerne auf dem Barnim in der Gegend zwischen Karow und Buch unterwegs. Die Exkursionen waren meist nur kurze Spaziergänge. Aber das an Körper und Seele getriebene Schindluder bedurfte stärkerer Medizin: Warum nicht etwas Gepäck zuladen und eine längere Strecke versuchen?

Um der Wanderung auch geistig etwas Würze zu verleihen, suchte ich nach alten Wegen in der Gegend um Buch und stieß auf den Alten Bernauer Heerweg. Dabei handelt es sich um eine mittelalterliche Straßenverbindung zwischen Bernau und Spandau, die auf Abschnitten noch begehbar ist. Allerdings wird die alte Wegführung durch das Autobahndreieck bei Schönerlinde unterbrochen.

Interessanterweise führt die Nordroute des Brandenburger Jakobsweges von Frankfurt / Oder nach Bernau. Ferner existiert eine alte Pilgerroute von Henningsdorf nach Bad Wilsnack. Bad Wilsnack war vor der Reformation ein beliebtes Pilgerziel von überregionaler Bedeutung. Heute bestehen Bestrebungen, die Pilgerstrecke entlang der Alten Hamburger Poststraße durch den Krämer wiederzubeleben. Was liegt daher näher, als eine Verbindungsstrecke zwischen Bernau und Henningsdorf herzustellen? Eine Schwierigkeit liegt in der wander-freundlichen Überquerung der A10. Einige Fußgängerbrücken, wie z.B. die Zehnrutenbrücke wurden im Zuge der aktuellen Bauarbeiten abgerissen. Es wird gemunkelt, dass so manche Pilger*in zwischen Schönerlinde und Summt umherirrte, um einen Weg über die Autobahn zu finden. Aber wie es scheint wird die Zehnrutenbrücke neu gebaut, was erfreulich ist.

Das Ziel der Wanderung war für mich daher das Finden einer akzeptablen Über- oder Unterquerung der Autobahn in der Gegend um Schönerlinde. Ist die Überquerung einmal geschafft, kann es in Richtung des schönen Tegler Fliesses gehen, von wo aus Henningsdorf einfach zu erreichen sein sollte.

Ausgangspunkt war St. Marien in Bernau. Eine sehr schöne Kirche. Am Tag des offenen Denkmals hatte ich die Möglichkeit, den Dachstuhl zu besichtigen.

St. Marien in Bernau

Die Architektur ist sicherlich einen genaueren Blick wert.

Österliche Impressionen bei Schönow

Am Ortsausgang von Schönow wurde ich von diesem Bild überrascht. Selten habe ich einen solch prachtvollen Osterbaum gesehen.

Bernauer Heerweg bei Schönow

Kurz hinter Schönow führt der Bernauer Heerweg durch die alten Rieselfelder bei Hobrechtsfelde. Das Land dort ist geschichtlich gesehen ziemlich geschunden und diente in früherer Zeit als “Kloake” Berlins. Mittlerweile scheint sich die Natur dank eines Naturschutzprojektes zu erholen und es hat sich eine artenreiche Landschaft entwickelt. Allerdings scheint die Belastung mit Schwermetallen noch recht hoch zu sein.

Waldweidewirtschaft bei Hobrechtsfelde

Besonders interessant finde ich die Waldweidewirtschaft in der Gegend um Hobrechtsfelde. Verschiedene Rinderarten und Pferde können dort direkt erlebt werden. Vom Konzept her werden die Tiere zur Landschaftspflege eingesetzt. Eine schöne Bereicherung des Weges. Oft ist es möglich, den Tieren recht nahe zu kommen, doch sie sollten mit Respekt behandelt und nicht gestört werden.

Der Alte Bernauer Heerweg Richtung Schönerlinde

Der Weg geht recht stoisch geradeaus, aber es gibt in der Gegend einiges zu entdecken, und es lohnt sich, auch einmal abseits des geraden Weges zu gehen. Der Speicher in Hobrechtsfelde zum Beispiel ist einen Ausflug wert. Mir ging es an diesem Tag jedoch hauptsächlich darum, Strecke zu machen.

Dorfkirche in Schönerlinde

Der Alte Bernauer Heerweg führte wahrscheinlich durch Schönerlinde und dann Richtung Blankenfelde / Lübars. Allerdings ist der alte Weg durch die A10 zerschnitten und nicht mehr begehbar. Trotzdem wollte ich mir Schönerlinde einmal anschauen. Die Dorfkirche machte auf mich einen guten Eindruck. Generell scheint es in Brandenburg einige interessante Kirchen auf den Dörfern zu geben.

Wohnstätte des Igels in Schönerlinde

Offenbar wird in Schönerlinde auch an die Igel gedacht. Das Schild weist darauf hin, das Laub nicht zu entfernen, da es dem Igel als Behausung dient.

Blick über die Felder bei Schönerlinde

Hinter Schönerlinde stellte sich mir die Frage, wo ich die Autobahn über-, bzw. unterqueren möchte. Eine gut bekannte Möglichkeit ist die Unterführung im Bereich des Lietzengrabens zwischen Karow und Schönerlinde. Also bog ich links auf die Schönerlinder Chaussee ab, um den Lieztengraben zu erreichen. Doch ich würde die Strecke entlang der Chaussee nicht empfehlen, da hier kein vernünftiger Fußweg besteht. Von Bernau kommend ist es schöner, schon vor Schönerlinde dem Verlauf des Lietzengrabens zu folgen.

Am Lietzengraben

Die Lietzengrabenniederung ist für Vogelinteressierte sehr spannend. Die Kranichbeobachtung ist zur rechten Zeit sehr gut möglich.

Südlicher See der Bogenseekette

Wie auch die Karower Teiche ist die Bogenseekette ein wichtiges Brut- und Rastgebiet für Wasservögel. Zudem wird auch hier Waldweidewirtschaft betrieben, zuletzt mit Schottischen Hochlandrindern. Sehr sanftmütige Tiere, die nichts aus der Ruhe zu bringen scheint.

Unterführung südlich der Bogenseekette

Hinter dieser Unterführung befindet sich eine weitere, gut begehbare Unterführung unter der A10. Das Grafitti ist relativ neu. Vormals zierte das eindrucksvolle Werk eines gewissen “Otto” die andere Seite der Brücke. Leider wurde es übersprüht, jedoch haben die Sprayer einen Hinweis auf den Künstler hinterlassen und vielleicht auch einige stilistische Elemente aufgegriffen.

Alter Wegstein

Hinter der Unterführung befindet sich ein alter Wegstein. Ich finde es immer spannend, historische Relikte auf dem Weg zu finden, was mich inspiriert, ein wenig die Geschichte der Orte, die ich durchwandere, zu erforschen. Hier trifft die Strecke auf den Barnimer Dörferweg, den ich im weiteren Verlauf bis nach Blankenfelde folgte.

Osterstrauch am Barnimer Dörferweg

Auf diesem Abschnitt verläuft der Barnimer Dörferweg parallel zur A10 und linkerhand befindet sich ein weites Feld. Auch hier war ein Osterbaum zu endecken. Eine kleine Überraschung entlang des Weges.

Windkraftanlage am Barnimer Dörferweg

Auch eine Windkraftanlage kann hier ganz aus der Nähe betrachtet werden. Ehrlich gesagt finde ich nicht, dass diese die Natur verschandeln. Auch war es nicht besonders laut. Vielmehr stellte sich mir eher ein futuristischer Eindruck ein. High-Tech im Einklang mit der Natur sozusagen.

Ruinen bei Französisch Buchholz

Die Strecke entlang der Schönerlinder Straße und die Überquerung der A114 waren nicht sonderlich reizvoll und eher von Verkehr geprägt. Hinter der A114 ging es rechts Richtung Blankenfelde.

Müll im Landschaftsschutzgebiet

In der Nähe des Idehorsts bot sich mir dann dieses Bild. Besonders pikant auch der verdorrte Weihnachtsbaum im Hintergrund. Müll ist in der Tat ein Problem, besonders in der Nähe der stärker befahrenen Straßen. Es scheint so, als gehörte es zum guten Ton, den Müll einfach aus dem Autofenster zu werfen.

Blick über die Felder bei Blankenfelde

Langsam näherte sich die Wanderung dem Ende. Zunächst hatte ich überlegt, noch durch das Tegler Fliess nach Waidmannslust zu laufen, allerdings war ich schon etwa fünf Stunden unterwegs und wollte es dann doch nicht gleich übertreiben.

Blankenfelder Dorfkirche

Daher war die Wanderung an der Blankenfelder Dorfkirche beendet.

Insgesamt war ich von der Wanderung sehr positiv überrascht. Es gab einiges zu entdecken, wie zum Beispiel die Ostersträuche und die Tiere. Das Wetter war wechselhaft aber wunderbar!

Bezüglich der Autobahnüberquerung wäre es wahrscheinlich ökonomischer gewesen, von Schönerlinde aus einfach die Schönerlinder Straße Richtung Süden zu laufen, allerdings hatte ich große Lust entlang des Lietzengrabens zu wandern, weil ich die Gegend landschaftlich und wegen der Seen recht reizvoll finde.

Generell kann ich die Gegend zwischen Karow und Schönower Heide für einen Tagesausflug sehr empfehlen.

Auch war ich überrascht, dass ich auf Anhieb 24 Kilometer mit Gepäck (Zelt, Schlafsack, Isomatte, Wasser und Proviant für einen Tag) relativ problemlos laufen konnte. Allerdings zeigten sich durch die Gepäckzuladung doch einige Schwachpunkte, daher habe ich in den folgenden Tagen noch ein paar längere Wanderungen unternommen.

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